Hunderttausendfach gegen Sozialabbau

Großbritannien, 26. März: Mehrere hunderttausend Menschen tragen ihre Wut über das drastische Sparpaket der liberal-konservativen Regierung auf die Straße. Nach übereinstimmenden Schätzungen des aufrufenden Gewerkschaftsverbandes TUC und der Polizei demonstrieren über 250.000 Menschen, manche Medien sprechen gar von bis zu 500.000. Sie sind aus dem ganzen Land in über 600 Bussen und einigen Sonderzügen in die Hauptstadt gekommen. Allein unter ihren Mitgliedern habe es noch weit mehr Protestbereite gegeben, sagt die Gewerkschaft Unite. Es sei ihr aber nicht gelungen, genügend Busse zu mieten. Auch so ist dieser Protest der größte seit den Demonstrationen gegen den Irak-Krieg 2003.

Wegen ihrer enormen Größe kommt die Demonstration nur langsam voran. Als die ersten Reihen am Ort der Abschlusskundgebung im Hyde Park ankommen, sind Tausende noch gar nicht losgelaufen. Neben zahlreichen GewerkschafterInnen prägen LehrerInnen und Studierende sowie RentnerInnen und Familien mit Kindern das Bild. Viele demonstrieren zum ersten Mal in ihrem Leben. BeobachterInnen sprechen von einer guten Stimmung bei deutlich spürbarer Wut. Zeitgleich gehen auch in den nordirischen Städten Belfast und Londonderry mehrere tausend Menschen gegen die Sparmaßnahmen auf die Straße. Einer Umfrage im Auftrag des TUC zufolge, unterstützen 53 Prozent der BritInnen die Ziele der Demonstration, selbst unter den Tory-WählerInnen lehnt jeder fünfte den Sparkurs ab.

Parallel zur Großdemonstration veranstaltet UK Uncut ein Sit-in. Das Netzwerk protestiert gegen die Steuerflucht von Großunternehmen. Anderswo werfen Protestierende, die in Kleingruppen unterwegs sind, Scheiben von Geschäften und Banken ein; Auseinandersetzungen mit der Polizei folgen. (Fotos hier, hier und hier)

In den Tagen zuvor haben DozentInnen an 63 Universitäten eine Serie von Protesten gegen eine geplante Rentenreform begonnen. Geht es nach der Regierung, sollen die Beschäftigten mehr einzahlen, länger arbeiten und geringere Pensionen erhalten. Am 17. März treten die DozentInnen in Edinburgh in den Streik und am 18. März ihre KollegInnen in Cardiff. Ein landesweiter zweitägiger Ausstand folgt ab dem 22. März. Mancherorts unterstützen Studierende die streikenden DozentInnen.

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2 Antworten zu Hunderttausendfach gegen Sozialabbau

  1. Pingback: Studierende protestieren europaweit | Krisenzeiten

  2. hackler schreibt:

    hier noch ein Bericht zur Demo, der ein paar Übersetzungen der libertären Bewegung in GB und ein einprägsames mobilisierungsvideo zu bieten hat
    http://lisasyndikat.wordpress.com/2011/03/28/no-cuts-bis-zu-einer-halben-million-menschen-auf-den-strasen-londons/

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